Störungsarmer Arbeitsplatz

Unser Hirn reagiert auf äußere Reize. Je mehr solcher Reize zur Verfügung stehen, desto schwieriger ist es konzentriert bei einer Tätigkeit zu bleiben. Jeder Gegenstand, jeder Notizzettel, jeder Arbeitsvorgang usw., der auf Ihrem Schreibtisch liegt, stellt einen solchen Reiz dar.
Jüngste Untersuchungen in der Universität von Michigan zeigten wieder einmal, dass das ständige Wechseln von einer Aufgabe zu anderen – Multitasking – ineffektiv ist und mehr Zeit kostet.

Wir sind nicht in der Lage, erfolgreich mehrere Dinge auf einmal zu tun. Viele Unternehmer und Betriebsberater beharren zwar auf der Ansicht, verschiedene Aufgaben zugleich zu erledigen, sei das Patentrezept gegen Dauerstress, gegen zu viel und zu langsam erledigte Arbeit. Doch Psychologen, Neurowissenschaftler und Ökonomen widersprechen mittlerweile einhellig: Wir machen bei solchen Vorgehen haufenweise Fehler, unser Gehirn ist der Doppelbelastung nicht gewachsen. Wir vergeuden sogar Zeit, und zwar bis zu 40 %, weil wir die Fehler wieder ausbügeln und uns an die jeweils nächste Aufgabe erinnern müssen.

Multitasking widerspricht damit nicht nur der Arbeitsweise des Gehirns, sondern auch dem ökonomischen Denken. Der „Gleichzeitigkeitswahn“ verschwendet wertvolle Arbeitszeit! Außerdem fördert es nicht die Konzentration. Der Preis für das vermeintliche Multitasking besteht darin, dass die zur Verfügung stehende Hirnaktivität pro kognitiver Aufgabe um 29-53% herabgesetzt ist. Wenn das Gehirn nicht mehr nur wahrnehmen, sondern auch reagieren muss, scheitert jeder Versuch von Gleichzeitigkeit. Zu viele Aufgaben, die in zu kurzer Zeit auf das Gehirn einstürmen, verursachten einen Entscheidungsstau. Das Bewusstsein kann die jeweiligen Inhalte nicht mehr sinnvoll repräsentieren oder gar verarbeiten. Mehr noch, es schwächt unsere Konzentrationsfähigkeit. Wissenschaftler prophezeien „Konzentrationsstörungen und den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses“. Daraus resultiere ein „unzusammenhängender, schizoider Denkstil“, so die Hirnforscher. „Wir können keinen Kontext mehr verinnerlichen. Alles wird sofort wieder gelöscht, nichts bleibt dauerhaft im Gedächtnis.“

Menschen, die den ganzen Tag über Multitasking betreiben, fühlen sich am Abend oft müde und ausgelaugt, obwohl die Tätigkeiten, die sie über den Tag gemacht haben, geistig nicht extrem anstrengend waren. Das ständige Hin- und Her springen von einer zur nächsten Sache ist für unser Gehirn sehr anspruchsvoll. Oft sind diese Menschen auch körperlich nervös und können nicht mehr ruhig sitzen und entspannen. Aus diesem Grund müssen Sie die Reize um sich herum gering halten!

Das ständige Aufräumen Ihres Schreibtischs am Abend ist zwar lobenswert, bringt aber nichts. Sie müssen sich ein System schaffen, das ein abendliches minutenlanges Aufräumen erst gar nicht nötig macht! Wenn Sie ständig einen vollen Schreibtisch haben, dann nehmen Sie sich einmal bewusst Zeit und gehen alles, was auf Ihrem Arbeitsplatz liegt, kritisch durch. Nur die Dinge, die Sie im Moment benötigen, haben eine Berechtigung auf Ihrem Arbeitstisch zu liegen!

Vorher besorgen Sie sich einige leere Ordner, Register und Ablagen.

  • Ablagen und Ordner, die Sie regelmäßig benötigen, gehören in Ihr unmittelbares Umfeld. Am Besten in Schränke, Schubladen oder hinter Ihnen aus dem Blickfeld und doch vom Stuhl aus bequem erreichbar.
  • Wenn Sie eine Aufgabe durch Ihren Chef, Kollegen oder durch die Post erhalten, die innerhalb von drei Minuten abzuarbeiten ist, dann machen Sie diese sofort. Es lohnt sich nicht, sie abzulegen und später wieder Zeit damit zu verbringen.
  • Alles andere heften Sie ab oder sortieren es an den entsprechenden Platz. Gleichzeitig halten Sie in Ihrem Zeitplaner oder Wiedervorlage fest, wann Sie die Aufgabe erledigen müssen. Der große Unterschied besteht darin, dass Sie nicht ständig von den verschiedenen Aufgaben abgelenkt werden. Sie können sich auf die im Augenblick wichtige und dringende Aufgabe konzentrieren. Durch das Notieren Ihrer Aufgaben bestimmen Sie, wann Sie daran denken und nicht der zufällige Blick darauf.
  • Des Weiteren können Sie jedes Blatt, dass Sie in die Hand nehmen mit einem Bleistift durch einen Punkt in der Ecke markieren. Wenn sich die Punkte dort anhäufen, dann sollten Sie dringend mit dem Organisieren beginnen!
    Es kann nicht sein, dass Sie jedes Papier öfter in die Hand nehmen um es dann wieder nicht einzusortieren oder zu erledigen!
Von | 2017-10-09T17:10:15+00:00 9. Oktober 2017|Allgemeines|0 Kommentare

About the Author:

Seit über 30 Jahren ist Andreas Pisch als Dozent und Seminarleiter bei Beratungen und Trainings in Deutschland, Österreich und in der Schweiz im Einsatz. Seine Themen sind Lernen und Gedächtnistraining, Selbst- und Zeitmanagement, Präsentation und Rhetorik, Kommunikation, Persönlichkeit und Schnelllesetechniken. Andreas Pisch studierte in Freiburg Erwachsenenbildung und berufliche Fortbildung mit dem Abschluss zum Diplom Pädagogen.

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